Bierstadt Erlangen

Die ersten Biererzeuger Erlangens waren Hausbrauberechtigte und Wirte, die für den eigenen Verbrauch oder Ausschank brauten.

Im 17. Jahrhundert wurde der Gerstensaft stärker in bürgerlichen Kreisen nachgefragt und verdrängte den sauren heimischen Wein.

Gute Standort- und Rohstoffbedingungen führten zu einer stetigen Qualitäts- und Geschmacksverbesserung, wobei die ab 1675 angelegten Burgbergkeller eine für damalige Zeiten optimale Reifung und Lagerung gewährleisteten.

Nach Gründung der Universität 1743 und der Neubelebung des Altstädter Jahrmarktes zu Pfingsten 1755, aus dem sich die Bergkirchweih entwickelte, sorgten die Studenten für die Verbreitung des guten Rufs ihres Lieblingsgetränks. Um die auswärtige Nachfrage erfüllen zu können, nahmen norddeutsche Spediteure Erlanger Bier bis in die heimischen Regionen mit. Dort kam das Untergärige sehr gut an, weil es geschmacklich den obergärigen Gerstensaft vor Ort bei weitem schlug. In Berlin nannte man unser Bier damals nur das "Echte"!

Den richtigen Auftrieb erhielt der Erlanger Bierexport aber erst durch den Wegfall der Binnengrenzen (deutscher Zollverein 1834) und die ab 1844 folgende Anbindung der Stadt an die Eisenbahn. Sie brachte günstig Steinkohle nach Erlangen und stand für den schnellen Versand zur Verfügung.

Von entscheidendem Vorteil waren die 16 Burgbergkeller, die es mit ihrem Gesamtfassungsvermögen von gut 20.000 hl ermöglichten, bestes Bier auch in heißen Sommerperioden anbieten zu können. Beispielsweise schickte Franz Erich am 7.8.1882 einen ganzen Güterzug nach Hamburg, um das 3. Deutsche Sängerfest mit über 1.000 hl Gerstensaft zu versorgen. Der Zenit des Erlanger Bierexportes war allerdings bereits 1877 mit knapp 200.000 hl erreicht worden. 

Bereits 1875 hatte Carl Linde die erste Maschine zur Erzeugung künstlicher Kälte auf den Markt gebracht. In Erlangen hielt man aber ersteinmal an den gut funktionierenden Gegebenheiten fest. So baute die Reifbrauerei noch 1884 ihren Felsenkeller zu einem 861 m langen Tunnelsystem aus. Der Export ging zurück, 1900 lag er bei 92.000 hl.

Viele Brauereien geben auf: Nach der Rohstoffknappheit des 1. Weltkriegs, dem anschließenden Wegbrechen der Exportmärkte und der folgenden Inflationszeit hatte sich die Zahl der Sudbetriebe auf vier verringert. 1936 stellte auch die Hofbräu die Biererzeugung ein.

Nach dem 2. Weltkrieg hatten die Henninger- Reifbräu, die Erich- Bräu und die Kitzmann-Bräu nur noch regionalen Charakter, wobei die Bergkirchweih in den 60er Jahren zur Ausschankspitzenreiterin wurde. Hier ergab sich ein interessanter Geschmacksdreiklang: die Erich-Bräu war darauf bedacht, hopfenbetont herb aufzutreten, während man bei Henninger die kräftig malzige Richtung einschlug und die Kitzmann- Bräu den Mittelweg wählte.

Heute bleibt als einziger Stern am Erlanger Bierhimmel die Firma Kitzmann übrig. Viele identifizierten sich ganz heimatbewusst mit dem Familienunternehmen und "unser Erlanger Bier" wurde eine feste Größe in Handel und Gastronomie.